Krankenversicherung in der Schweiz finden

Die Krankenversicherung ist in der Schweiz anders geregelt als in den Nachbarländern Deutschland und Österreich. Wer neu in die Alpenrepublik zieht, muss sich innerhalb von drei Monaten in der Grundversorgung anmelden und sollte daher schon mit den wesentlichen Merkmalen der Krankenkasse in der Schweiz vertraut sein. Die gesetzliche Pflichtversicherung deckt weniger Leistungen ab als in Deutschland oder Österreich. Ein optimaler Versicherungsschutz setzt also eine höhere Eigenverantwortung voraus, der trotz der höheren Löhne im Vergleich zu den direkten Nachbarländer eine große finanzielle Belastung darstellt. Auch in der obligatorischen Grundversicherung werden die Bürger stärker an den Kosten beteiligt. Weltweit ist das Gesundheitssystem nur in den USA teurer als in der Schweiz. Dafür überzeugt die Gesundheitsversorgung im europäischen Vergleich. In diesem Beitrag auf erklären wir, wie die Unterschiede im Einzelnen aussehen und wie die Krankenversicherung in der Schweiz funktioniert.

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Aufnahme in die Krankenversicherung in der Schweiz obligatorisch

In Deutschland ist das Gesundheitssystem in gesetzliche und private Krankenversicherungen unterteilt. Für die meisten Deutschen ist die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) Pflicht, wenn sie ein bestimmtes Einkommen unterschreiten. Auch wer über der Grenze liegt, kann sich freiwillig in der GKV versichern. Nur jeder Zehnte, darunter viele Beamte, Selbstständige und Besserverdiener, ist in Deutschland privat versichert. Nicht so in der Schweiz, wo jeder Bürger obligatorisch eine gesetzliche Krankenversicherung abschließen muss und es somit keine privaten Alternativen gibt. Wer einen erhöhten Versicherungsschutz genießen möchte, muss freiwillige Zusatzversicherungen absschließen. In der Schweiz darf niemand durch eine Krankenversicherung abgelehnt werden, eventuelle Nachteile für ein Unternehmen werden durch einen Fond ausgeglichen. In Deutschland bezieht sich dieses Recht des Verbrauchers nur auf die GKV. Bei einer privaten Police kann im Anschluss an eine Risikoprüfung eine Ablehnung erfolgen.

Leistungen der obligatorischen Krankenversicherung in der Schweiz

Die Leistungen der obligatorischen Krankenversicherungen müssen in der Schweiz die Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit erfüllen. Bei dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist einsehbar, wofür die Leistungen verwendet werden. Im Jahr 2013 wurden fast 28 Milliarden Franken ausgeschüttet:

  • Stationärer Spitalaufenthalt: 70,6 Franken pro Monat und Person
  • Ambulante Arztbehandlung: 64,6 CHF p.P.
  • Medikamente: 60,3 CHF p.P.
  • Ambulante Spitalbehandlung: 41,5 CHF p.P.
  • Pflegeheime: 19,0 CHF p.P.
  • Labor: 8,8 CHF p.P.
  • Physiotherapie: 7,2 CHF p.P.
  • Spitex: 6,9 CHF p.P.
  • Mittel und Gegenstände: 4,5 CHF p.P.

Im Bezug auf die Leistungen besteht der große Unterschied zu Deutschland bei den zahnärztlichen Behandlungen. Diese sind anders als in Deutschland in der obligatorischen Krankenversicherung in der Schweiz nur in den seltensten Fällen inbegriffen. Übernommen werden lediglich Zahnbehandlungen, die durch eine gravierende und nicht vermeidbare Erkrankung des Kausystems entstanden sind. Auch die Zahnarztkosten bei einer schwere allgemeine Erkrankung mitsamt den daraus resultierenden Folgen ist durch die Krankenversicherung in der Schweiz abgedeckt. Andere gebräuchliche Maßnahmen wie etwa die Korrektur des Kiefers durch Zahnspangen oder Zahnfüllungen bei Karies sind nicht inklusive. Somit müssen die Kosten komplett aus dem eigenen Portemonnaie getragen werden, wenn nicht eine zusätzliche Versicherung abgeschlossen wurde. Darüber hinaus erstattet die Grundversicherung auch keine Unfälle, die auch von einer gesetzlichen Unfallversicherung abgesichert werden.

Welche Krankenversicherungen gibt es in der Schweiz?

Die fünf größten obligatorischen Krankenversicherungen in der Schweiz sind die CSS aus Luzern, die Helsana mit Sitz in Dübendorf, die in Winthertur ansässige Swica, die Luzerner Concordia sowie die Visana aus Bern. Darüber hinaus gibt das Portal comparis.ch Aufschluss über die Kundenzufriedenheit mit den Krankenversicherungen in der Schweiz. Aktuell liegt die Aquilana mit einer sehr guten Bewertung und 5,5 von 6 Punkten auf dem ersten Platz. Dahinter folgen die Agrisano und Swica mit jeweils 5,3 Punkten, was einer guten Note entspricht. Die KPT / CPT und das Progrès-Angebot der Helsana-Gruppe komplettieren die Top 5 mit 5,2 Punkten.

Über das Bundesamt für Gesundheit lässt sich jedes Jahr eine Liste der zugelassenen Krankenversicherungen in der Schweiz begutachten. Dort lässt sich auch einsehen, ob das bevorzugte Unternehmen in dem eigenen Wohnkanton tätig ist. Nur wenn das der Fall ist, darf sich der Bürger für diesen Versicherer entscheiden. Zwar sind die Leistungen bei allen Unternehmen per Gesetz gleich, preislich gibt es jedoch große Unterschiede. Das belegen die kantonalen Durchschnittsprämien, die ebenfalls durch das BAG veröffentlicht werden. Im Jahr 2015 zahlen erwachsene Schweizer durchschnittlich 411,84 Franken pro Monat für ihre die Prämien, was rund 400 Euro entspricht. Im Kanton Appenzell Innerrhoden liegt der durchschnittliche Beitrag aktuell bei 319,63 CHF, während die Bürger in Basel-Stadt mit 553,18 CHF mit Abstand am tiefsten in die Tasche greifen müssen. Junge Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren müssen durchschnittlich 379,71 Franken einplanen, bis zum Eintritt in die Volljährigkeit werden nur 94,99 Franken fällig.

Auch Kleinkinder müssen versichert werden, anders als in Deutschland oder Österreich gibt es keine Familienversicherung. Darüber hinaus muss jeder Schweizer den vollen Beitrag für seine Krankenversicherung tragen, während sich in Deutschland Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Prämien zur Hälfte teilen. Wie hoch die Beiträge ausfallen, ist dort auch entscheidend von dem Lohn des Versicherungsnehmers und bei einer privaten Versicherung auch von dessen Krankheitsrisiko. In der Schweiz sind Alter, Geschlecht und der Gesundheitszustand ebenso unerheblich wie das Einkommen. Die Prämie der obligatorischen Krankenversicherung in der Schweiz bemisst sich nur nach dem Kanton. Innerhalb dieses Gebiets ist der Beitrag bei einem bestimmten Versicherer jedoch für alle Bürger einheitlich. Wer wenig verdient oder arbeitslos ist, kann im Übrigen Prämienverbilligungen beantragen.

Krankenversicherung in der Schweiz: Selbstbeteiligung und Franchise

In Deutschland mussten von 2004 bis 2013 bei einem Arztbesuch pro Quartal zehn Euro Praxisgebühr bezahlen, ehe diese Eigenbeteiligung wieder abgeschafft wurde. Zwar gibt es auch Wahltarife mit Selbstbehalt, jedoch ist das Modell weit weniger gebräuchlich als in der Schweiz. Dort müssen sich die Bürger selbst an den Behandlungskosten beteiligen. Bis zu einem bestimmten Betrag, der sogenannten Franchise, muss jeder Schweizer für etwaige Behandlungen zu 100 Prozent selbst aufkommen. Erwachsene Schweizer haben die Wahl zwischen einer Franchise von 300, 500, 1.000, 1.500, 2.000 und 2.500 Franken. Mit einer hohen Franchise können die Prämien gesenkt werden. Das rechnet sich, wenn die Krankheitskosten pro Jahr nicht über 2.000 Franken liegen – also etwa bei kerngesunden, jungen Menschen, die jedoch auch nicht vor einem einmaligen Krankheits- oder Unglücksfall gefeit sind. Bei hohen Behandlungs- und Medikamentenkosten zahlen Versicherte mit der hohen Franchise jedoch deutlich mehr als mit einer niedrigen Franchise. Wer von bestimmten Vorerkrankungen weiß, sollte daher lieber eine sichere Franchise von 300 oder 500 bevorzugen.

Bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren ist eine Franchise nicht zwingend vorgesehen. Freiwillig kann jedoch eine Franchise in Höhe von 100, 200, 300, 400, 500 oder 600 Franken ausgesucht werden, um den Grundbetrag zu minieren.

Über die Franchise hinaus muss jeder Schweizer in der obligatorischen Krankenversicherung für alle Behandlungsmaßnahmen und Mittel einen Selbstbehalt von 10 Prozent tragen. Er wird dann fällig, wenn die Franchise komplett aufgebraucht ist. Pro Jahr darf der Selbstbehalt aber nicht 700 Franken übersteigen. An einem Beispiel lässt sich der Zusammenhang zwischen Franchise und Selbstbehalt erklären. Herr Ammann zahlt allein für seine Prämie 400 Franken im Monat, also 4.400 Franken im Jahr. Als Franchise hat er 500 ausgewählt. Im Februar muss er ambulant im Spital behandelt werden, die Kosten liegen bei 3.500 Franken. Davon muss er die Franchise von 500 Franken zu 100 Prozent selbst tragen, die übrigen 3.000 Franken werden ihm zu einem 10-prozentigen Selbstbehalt von 300 Franken angerechnet. Sollte Herr Ammann im Verlauf des Jahres erneut krank werden, können ihm nur noch Behandlungskosten in Höhe von 400 Franken in Rechnung gestellt werden, da ab dieser Grenze sein Selbstbehalt von höchstens 700 Franken aufgebraucht ist.

Krankenversicherung in der Schweiz im internationalen Vergleich

Die schwedische Nicht-Regierungsorganisation Health Consumer Powerhouse veröffentlicht jährlich einen Maßstab zum Vergleich der europäischen Gesundheitssysteme. Nach dem Euro Health Consumer Index 2014 liegen weiterhin die Niederlande im Vergleich von 36 Nationen ganz vorne. Gleich dahinter folgt die Schweiz, die respektable 855 von 1000 möglichen Punkten erzielte. Seit langem ist das Land für seine gute Gesundheitssystem bekannt und taucht dementsprechend regelmäßig vorne in der Rangliste auf. Hervorgehoben werden vor allem die guten und speziell ausgerichteten Krankenhäuser, was sich in einer kurzen Wartezeit bis zur medizinischen Betreuung ausdrückt. Die Nachbarländer Deutschland und Österreich werden mit 812 beziehungsweise 780 Punkten auf den Plätzen 9 und 10 notiert. Dem deutschen Gesundheitssystem wird attestiert, dass es traditionell eher auf Quantität als auf Qualität der Behandlung setzt. So werden überdurchschnittlich viele Behandlungen bezahlt, jedoch ist die Behandlungsqualität insgesamt nach den Testergebnissen nur mittelmäßig, da die Wartezeiten länger ausfallen als in der Schweiz. Dafür ist die pharmazeutische Versorgung besser. Österreich platziert sich nach einem Abrutsch im Jahr 2012 nun wieder in den Top 10, liegt jedoch immer noch deutlich hinter den anderen beiden Ländern zurück.

Die Studie zeigt auch, dass die Krankenversicherung in der Schweiz verhältnismäßig teuer ist. Die Gesundheitskosten pro Kopf für Schweizer werden nur von Luxemburg übertroffen. Durchschnittlich zahlt jeder Bürger in der Alpenrepublik knapp über 6.000 Euro pro Jahr für seine Gesundheit. In Österreich sind es rund 1.000 Euro, in Deutschland gar rund 1.400 Euro weniger. Allein die pharmazeutischen Einkäufe pro Kopf liegen in der Schweiz bei über 700 Euro. Österreicher mit etwas unter 500 und Deutsche mit rund 420 Euro geben deutlich weniger aus. Im Bezug auf Patienrechte liegen die drei Länder hingegen dicht beiandner.

Private Zusatzpolicen zur Krankenversicherung in der Schweiz

Mehr als vier von fünf Schweizern greifen zusätzlich zur obligatorischen Krankenversicherung auf private Zusatzpolicen zurück. Die Kunst ist es dabei, einen ökonomischen Mittelweg zwischen Über- und Unterversorgung zu finden. Neben der bereits erwähnten Zahnzusatzversicherung gibt es eine ganze Reihe von Absicherungen, die über die Grundversicherung hinausgehen:

  • Ambulante Zusatzversicherung: Hierbei werden mehrere Zusatzleistungen zusammengefasst, unter anderem normalerweise psychotherapeutische Behandlungen, die Übernahme von ansonsten nicht erstattungsfähigen Medikamenten und Hilfsmitteln, Vorsorgemaßnahmen, Brillen und Kontaktlinsen,, Transport- und Rettungskosten sowie Rechtsschutz zu Gesundheitsfragen. Ungefähr die Hälfte der Schweizer machen von dieserzusätzliche Absicherung Gebrauch.
  • Zusatzversicherung für das Spital, die sich in mehrere Möglichkeiten gliedert:a) Mit einer freien Spitalwahl in der ganzen Schweiz werden eventuelle Mehrkosten aufgefangen, wenn die Behandlung teurer ist als in dem eigenen Kanton. Hier sollte sich der Verbraucher informieren, wie hoch die Sätze an seinem Wohnort sind. Zumeist ist ein solcher Schutz in Großstädten wie Basel oder Zürich weniger notwendig als in kleineren Orten.b) Auch die Unterbringung innerhalb des Hospitals kann vertraglich genau fixiert werden. So ist es möglich, sich von einem Chefarzt behandeln zu lassen und entweder halbprivat in einem Zwei-Bett-Zimmer oder privat in einem Einzelzimmer untergebracht zu werden. Sollte das Spital überfüllt sein, ist es jedoch nicht garantiert, dass der Versicherte das gewünschte Zimmer erhält. Die Einquartierung in einem Ein- oder Zwei-Bett-Zimmer muss nicht mit der Chefarztbehandlung verbunden sein. Eine sogenannte Hotel-Versicherung fokussiert sich nur darauf, eine Unterbringung in einem Mehrbettzimmer zu vermeiden. Mit dem Angebot „Flexibler Spitalzusatz“ können Schweizer im Übrigen vor Ort wählen, ob sie in einem Ein-, Zwei- oder Mehrbittzimmer schlafen möchten.
  • Zusatzpolice für alternative Heilmethoden: Viele Heilmethoden sind auch in der obligatorischen Krankenversicherung in der Schweiz anerkannt. Wenn der gewünschte Heilpraktiker jedoch nicht auf der Therapeutenliste aufgeführt ist, kann der Patient über eine zusätzliche Versicherung nachdenken.
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