Anstieg der Prämien für Krankenkasse durch Niedrigzins erwartet

Anstieg der Prämien für Krankenkasse durch Niedrigzins erwartet

 

Die Konten von Pensions- und Krankenkassen werden von vielen Schweizer Banken mit Negativzinsen belastet. Die Unternehmen befürchten, dass sie das Minusgeschäft bald wiederum an ihre Versicherten in Form von höheren Beiträgen weitergeben müssen. Versicherungsvertreter klagen, dass sich die Problematik noch weiter zuspitzen wird.

Concordia befürchtet jährliches Minus von 750.000 Franken

Die „Strafzinsen“ in Höhe von 0,75 Prozent der Nationalbank (SNB) machen sich für die Versicherungen deutlich bemerkbar. Bei der Concordia liegen etwa durchschnittlich 100 Millionen Franken auf dem Konto, was bei dem aktuellen Negativzins ein jährliches Minus von 750.000 Franken bedeuten würde. Im Moment gewähren viele Banken noch Freibeträge bis zu einer gewissen Summe, so dass der Verlust noch nicht ganz so hoch ausfällt. Bei der Groupe Mutuel, die über eine Million Menschen krankenversichert, sind aktuell noch 280 von 340 Millionen Franken frei von den Strafzinsen. „Aber die Freibeträge der Banken sinken von Woche zu Woche“, beklagt Christoph Braschler, der Finanzchef der Concordia. Und sein Kollege Yves Seydou, Sprecher der Groupe Mutuel, befürchtet, dass der Negativzins künftig die Beiträge belastet: „2016 wären die Krankenkassen dazu gezwungen, dies in die Prämienrechnung einfliessen zu lassen“. Wie hoch die Krankenkassenprämien steigen würden, ist bislang noch nicht bekannt. Dass sie es tun werden, ist jedoch wahrscheinlich: Auch die Krankenkasse Assura sieht ein Ende der Problematik nicht in Sicht. Im Gegenteil, die Situation werde „je länger, desto heikler“.

NSB reagiert auf Strafzinsen der Europäischen Zentralbank

Grundlage für die jüngste Entwicklung ist der anhaltende Niedrigzinskurs der Europäischen Zentralbank, der einen allgemeinen Preisrutsch zur Folge hat. Seit dem Juni 2014 verlangt die EZB für Einlagen von ihren Geschäftsbanken Negativzinsen. Der Gläubiger zahlt also dafür, dass jemand anderes sein Geld verwaltet. Damit sollte ein Anreiz geschaffen werden, Reserven nicht zu bunkern, sondern in Form von Krediten an Unternehmen weiterzugeben. Die Schweizer Nationalbank reagierte darauf, indem sie Strafzinsen für die Beträge der Schweizer Banken einführte. Seit dem 22. Januar 2015 müssen die Geldinstitute für ihre Einlagen ab 10 Millionen Franken 0,25 Prozent Negativzinsen zahlen. So sollte auch die stetig steigende Währung gesenkt werden, um Anlagen in Franken für ausländische Investoren und Währungsspekulanten weniger lukrativ zu gestalten.

Noch haben die meisten Kantonalbanken die Negativzinsen aber noch nicht eingeführt. CS und UBS gewähren derzeit noch Freibeträge von 10 Millionen Franken, während die Zürcher Kantonalbank und die St. Galler als einzige Geldinstitute  keine Ausnahmen machen und die Strafzinsen unabhängig von der Höhe der Einlage vollständig berechnen. Aber die Branche befürchtet, dass immer mehr Schweizer Banken die entstehenden Kosten durch Strafzinsen an ihre Großkunden weiterleiten. Ausgenommen von den Negativzinsen sind nur der Bund, bundesnahe Betriebe und inländische Behörden, wie die SNB gegenüber dem Tagesanzeiger erklärte. Nun fordern auch die Kranken- und Pensionskassen eine Befreiung, um das Niveau der jetzigen Prämien beibehalten zu können.

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