Kolping Krankenkasse Pleite: Entwarnung für Versicherte und Mitarbeiter

Kolping Krankenkasse Pleite: Entwarnung für Versicherte und Mitarbeiter

 

Die Krankenkasse Kolping ist pleite und wird von Sympany geschluckt. Aufgrund von Missmanagement ist Kolping in finanzielle Schwierigkeiten geraten, sodass alle Aktien des Unternehmens an die Konkurrentin an Basel übertragen musste. Für die 17.000 Versicherten ändert sich zunächst nichts.

Nach 131 Jahren schließt die Krankenkasse Kolping ihre Tore, zumindest als eigenständiges Unternehmen. Wie der Vorstand bekannt gab, wird Kolping-Präsident Leutenegger am 21. Juni die letzte Generalversammlung der Kolping leiten. Die Fusion mit der Sympany wird auf dieser Sitzung endgültig vollzogen.

Missmanagement: Um über 7 Millionen Franken verrechnet

Die Probleme der Kolping sind durchaus hausgemacht. Das Management gab die Devise aus, alle Vorschriften exakt einzuhalten, auch bezüglich der Abrechnungen. Daher wurden alle von den Versicherten eingereichten Rechnungen genau geprüft. Entdeckten die Sachbearbeiter nur eine minimale Unstimmigkeit, wurde die Kostenerstattung abgelehnt.

Infolge dessen gab es zahlreiche Auseinandersetzungen mit Ärzten und Spitälern, was laut Aussagen eines Insiders dazu führte, dass das Management schlichtweg „die Übersicht über die ausstehenden Forderungen verloren“ hat. Das wiederum führte dazu, dass die Kolping bereits 2014 ihre Reserven zu niedrig angesetzt hat, und zwar um etwa 7 Millionen Franken. In der Jahresbilanz von 2015 musste daher ein Verlust von 7,4 Millionen Franken ausgewiesen werden, obwohl ursprünglich von einem Gewinn ausgegangen wurde.

Bundesamt für Gesundheit (BAG) mahnte Korrekturen an

Im Jahresbericht 2014 wies Kolping einen Gewinn von 5,95 Millionen Franken aus und gab an, diesen zur Stärkung der Reserven zu nutzen, die ausreichend dimensioniert seien. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hingegen hat im Sommer 2015 verschärfte Kontrollen durchgeführt und in deren Rahmen auch die finanzielle Situation der Krankenkasse gründlich untersucht.

Dabei wurde festgestellt, dass die Rückstellungen für unerledigte Schadenfälle deutlich zu niedrig angesetzt waren. Statt des ausgewiesenen Gewinns von 5,95 Millionen Franken hätte ein Verlust in Höhe von 1,1 Millionen Franken ausgewiesen werden müssen. Im Zuge der Kontrollen mahnte das BAG das Management an, umfangreiche Korrekturmaßnahmen zu ergreifen.

Übernahme durch Sympany: Keine Folgen für Versicherte und Angestellte

Um die Krankenkasse zu retten, wurden unterschiedliche Optionen geprüft. Entschieden hat man sich letztendlich für die Übertragung der Unternehmensaktien an den Baseler Konkurrenten Sympany. Die Sympany gehört mit 216.000 Privatkunden (inkl. 163.000 Grundversicherte) zu den zehn größten Schweizer Krankenkassen und verfügt über ausreichend Erfahrung und Reserven, um die Kolping zu integrieren. Sympany erwirtschaftete 2015 einen Gewinn von 37,2 Millionen Franken und konnte ein Gesamtprämienvolumen von 950 Millionen Franken vorweisen.

Kolping wird zu einem Tochterunternehmen der Sympany, was bedeutet, dass die Kunden weiterhin bei der Kolping versichert bleiben. Da sich an den Leistungen nichts ändert, steht den Versicherten aufgrund der Übernahme kein außerordentliches Kündigungsrecht zu. Auch für die Angestellten hatte Sympany-Chef Ruedi Baumann gute Nachrichten. Er sicherte den 50 Angestellten eine stabile Zukunft zu. Ein Abbau von Arbeitsplätzen nach der Übernahme ist folglich nicht angedacht.


Bild: © lalalululala – fotolia.com

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