Prämien für Krankenkassen steigen um bis zu 4 Prozent

Flagge der Schweiz

Die Prämienzahler bekommen die steigenden Gesundheitskosten im nächsten Jahr deutlich zu spüren. Für 2016 erwartet der Krankenkassenverband Santésuisse einen Anstieg der Beiträge zwischen 3 und 4 Prozent. In großen Kantonen mit vielen Spezialisten ist sogar eine höhere Erhöhung möglich, während der Aufschlag für die Krankenkassen in ländlichen Regionen kleiner ausfallen wird.

Verena Nold, Direktorin des Krankenkassenverbandes Santésuisse, sprach mit dem Radiosender SRF über die Gründe für die steigenden Prämien. Als eine Ursache nennt sie die ambulanten Behandlungen, die von den Spitalen immer stärker angeboten werden. Sprich: Immer mehr Patienten verlassen das Spital noch am selben Tag. Laut dem SRF entfielen im Jahr 1992 nur rund 10 Prozent der Gesundheitskosten auf Patienten, die sich ambulant behandeln ließen. Heutzutage sind es fast 25 Prozent der Gesamtkosten.

Bald Fallpauschale für ambulante Behandlungen?

Die Kantone finanzieren ausschließlich stationäre Behandlungen mit. Daher müssen letztendlich die Versicherten die Mehrkosten für die ambulanten Maßnahmen auf sich nehmen. Für die Zukunft bringt Santésuisse daher eine Fallpauschale ins Gespräch, die den Ersattungen bei einer stationären Spitalbehandlung ähneln soll. Dann müssten die Ärzte statt einer individuellen Abrechnung einen pauschalen Betrag ausweisen, der sich an der jeweiilgen Diagnose orientiert. Ärzte und Spitäler stehen einer solchen Systemänderung für die ambulanten Abrechnungen allerdings kritisch gegenüber und sprechen sich für kleinere Reformen aus.

Kosten für Spezialisten um 140 Millionen Franken gestiegen

Zudem sorgt auch die steigende Anzahl der Spezialisten dafür, dass das Gesundheitssystem deutlich teurer wird. So stellen viele Spezialmediziner einen immer höheren Satz pro Patient in Rechnung. Der Grund dafür sind nicht etwa eine höhere Anzahl an Behandlungen, sondern ein vermehrtes Aktenstudium durch die Ärzte. Laut Nold hätten diese „Konsulationen in Abwesenheit des Patienten“ innert 24 Monaten um 140 Millionen Franken enorm zugenommen. Für die Krankenkassen ist es schwer nachzuvollziehen, ob die in Rechnung gestellten Beträge gerechtfertigt oder nicht sind.

Hoher Anstieg in Zürich, Basel und Genf erwartet

Insgesamt mussten die Versicherer laut dem Branchenverband im bisherigen Jahresverlauf rund 3,5 Prozent mehr Geld für die Gesundheit ihrer Kunden aufwenden als noch 2014. Landesweit rechnet Nold daher mit einem Anstieg der Krankenkassenprämien zwischen 3 und 4 Prozent.

In manchen Kantonen sind die Kosten jedoch deutlich stärker angestiegen als in anderen Regionen: Besonders verteuert haben sich die Arzt- und Medizinkosten in Metropolregionen wie Zürich, Genf und Basel-Stadt, wo auch viele Spezialisten anzutreffen sind. Daher rechnet die Santéuisse-Direktorin Nold entsprechend in diesen Kantonen mit einem höheren Anstieg der Prämien. Für Eidgenossen in ländlicheren Regionen werden die Kosten hingegen höchstwahrscheinlich in deutlich geringerem Maße ansteigen.

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