Tagegeldversicherung: Sinnvoller Schutz für Hausfrauen und Selbstständige

Eine Tagegeldversicherung ist anders als die Grundversicherung freiwillig. Doch sie ist ein äußerst wichtiger, ja fast unverzichtbarer Teil der sozialen Absicherung: Sie gleicht im Fall von Krankheit, Mutterschaft und in gewissen Umfang bei Unfällen die ausfallenden Lohnzahlungen aus. Bei Unfällen leistet sie nach dem Prinzip der Subsidiarität nur, wenn die gesetzlich vorgeschriebene Unfallversicherung für Arbeitnehmer nicht für den Schaden aufkommt. Viele Arbeitnehmer sind durch ihren Betrieb vor dem Fall der Fälle geschützt, doch insbesondere für Selbständige und Hausfrauen ist eine Tagegeldversicherung so gut wie unverzichtbar.

Mütter und Hausfrauen profitieren von Tagegeldversicherung

Sie sorgt durch die finanziellen Ausschüttungen dafür, dass der Arbeitsausfall kompensiert oder die tägliche Betreuung der Kinder weiter aufrecht erhalten werden kann. Jeder Schweizer und jede Schweizerin kann eine solche Police ab dem 15. Geburtstag bis zum 65. Lebensjahr bei einem Unternehmen seiner oder ihrer Wahl abschließen. Je nach Art und Dauer der Anstellung gibt es erhebliche Unterschiede, wie lange die Leistungen der Tagegeldversicherung bezogen werden können. (Haus)frauen müssen ganz genau auf das Kleingedruckte in den Verträgen achten. Weiterhin spielt es eine große Rolle, ob sich der Versicherte nach dem Krankenversicherungsgesetz (KVG) oder dem Vertragsversicherungsgesetz (VVG) schützen möchte. Oeffentliche-krankenkasse.ch vergleicht die beiden Möglichkeiten und erklärt, welche Stolpersteine auf dem Weg zur besten Tagegeldversicherung lauern.

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Wie lange werden die Leistungen der Tagegeldversicherung ausgezahlt?

Die Verträge bei der Tagegeldversicherung sind sehr unterschiedlich gestaltet, ab wann die Prämie bei einem Arbeitsausfall oder der Mutterschaft ausbezahlt wird. Die Auszahlung kann schon ab dem dritten Tag bis hin zum 180. Tag einsetzen. Für welchen Zeitraum sich der Kunde entscheidet, hängt auch davon ab, für wie lange die eigenen finanziellen Reserven halten. Beträgt die Frist mehr als drei Tage, ist der Arbeitgeber nach dem Obligationsrecht gesetzlich dazu verpflichtet, den Lohn bis zum Einsetzen der Tagegeldversicherung weiter zu übernehmen. Die Auszahlung der Prämie sollte in jedem Fall so lange gewährleistet sein, bis nach zwei Jahren die gesetzliche Erwerbsunfähigkeitsrente für chronische Erkrankungen greift.

Die Dauer der Leistungen ist ebenso wenig einheitlich. Gesetzlich ist lediglich vorgeschrieben, dass die Prämien „für eine angemessene längere Zeit, je nach Dauer des Arbeitsverhältnisses und den besonderen Umständen“ ausgeschütet werden müssen. Im ungünstigsten Fall, etwa bei einer Erkrankung nach einem Wechsel des Arbeitsplatzes, besteht überhaupt kein Anspruch. Normalerweise reicht die Spanne von einigen Wochen bis zu einem Dreivierteljahr, wenn die Anstellung über mehrere Jahrzehnte bestand. Die tatsächlichen Leistungsauszahlungen schwanken auch von Region zu Region: Wird ein Arbeitnehmer krank, der seinem Unternehmen über 40 Jahre die Treue gehalten hat, kann er in Basel lediglich mit einem finanziellen Ausgleich über 26 Wochen rechnen. Nach der Berner Skala werden die Leistungen über den 1,5-fachen Zeitraum, also 39 Wochen weiterbezahlt. In Zürich profitiert der invalide Arbeitnehmer gar 46 Wochen von dem Lohnausgleich.

Ausnahmen bei der Tagegeldversicherung

Es können auch abweichende Regelungen getroffen werden, sofern sie für den Arbeitnehmer nicht von Nachteil ausfallen. Viele kollektive Tagegeldversicherungen für den gesamten Betrieb sind sogar mehr als gleichwertig. Nach der überwiegenden Mehrzahl der Gesamtarbeitsverträge, also verpflichtenden Regeln für eine ganze Branche, ist der Arbeitnehmer sogar besser gestellt als bei individuell vereinbarten Versicherungen. Wenn alle Beschäftigten eines Unternehmens zusammen in einer Kollektiversicherung geschützt sind, ist die Absicherung in der Regel auf 730 Arbeitstage innert 900 Tagen angelegt. Erstattet werden in der Kollektiv-Tagegeldversicherung üblicherweise mindestens 80 Prozent des Lohns, wobei der Arbeitgeber in Ausnahmefällen sogar die Differenz zum Gehalt übernimmt. Eine vergleichbare Absicherung ist auch für Selbstständige oder Hausfrauen anzustreben. Auch Angestellte aus kleineren Betrieben, in denen eine Kollektversicherung oftmals nicht selbstverständlich ist, müssen sich häufig selbst frewillig abischern. Ein Wechsel von einer privaten in eine kollektive Tagegeldversicherung oder entgegengesetzt aus der betrieblichen in die private Police ist übrigens durch eine Kündigung möglich.

Wo liegt der Unterschied zwischen KVG und VVG Tagegeldversicherung?

Bei der Wahl der Tagegeldversicherung kommen zwei verschiedene Optionen in Frage. Die gesetzliche Grundlagen wurden einerseits durch das Krankenversicherungsgesetz (KVG) als Teil der Sozialversicherung und andererseits durch das private Versicherungsrecht auf Grundlage des Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag (VVG) geschaffen. Vielen Schweizern ist der Unterschied nicht geläufig, dabei sind die Differenzen mehr als bloße Details und für den Verbraucher von entscheidender Bedeutung.

Eine Tagegeldversicherung nach dem KVG kann von jedem Bürger oder Grenzgänger abgeschlossen werden. Auch Kollektivversicherungen sind möglich. Die Krankenkasse darf also niemanden die Aufnahme in die Versicherung verweigern, was eine entsprechende Absicherung für Menschen aus einer riskanten Berufsgruppe oder einer langen Krankenakte interessant macht. Jedoch muss der Versicherte in Kauf nehmen, dass das Risiko für bestimmte Vorerkrankungen aus den letzten fünf Jahren ausgeschlossen werden darf. Zu diesem Zweck muss der Kunde Gesundheitsfragen beantworten. Diese müssen wahrheitsgemäß geschildert werden, sonst kann der Versicherer zu Unrecht bezahlte Prämien zurückfordern. Krankheiten, die länger als 60 Monate zurückliegen, dürfen hingegen nicht berücksichtigt werden.

Darüber hinaus darf das Unternehmen einen Maximalbetrag für das Tagegeld bestimmen, der in vielen Fällen auf einem geringen Niveau liegt. Sie bewegen sich nach Angaben des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) etwa zwischen 8 und 30 Franken. Gleichzeitig sind die monatlichen Beiträge jedoch oftmals vergleichsweise hoch. Daher schließt heutzutage nur noch rund jeder zehnte Schweizer eine individuelle Tagegeldversicherung nach dem KVG ab, kollektive Policen sind noch seltener. Generell ist die KVG nicht nur im Bezug auf die Leistungen recht einheitlich geregelt, so zahlen beispielsweise auch Männer und Frauen identische Prämien. Für eine Arbeitsunfähigkeit in Folge einer Mutterschaft gilt die Bestimmung, dass die Tagegegeldversicherung mindestens 270 Tage vor der Geburt, also rund neun Monate, abgeschlossen worden sein muss. Andernfalls ist die Schwangerschaft nicht durch die Tagegeldversicherung gedeckt.

Private Tagegeldversicherung nach dem VVG

Weitaus gebräuchlicher als die Tagegeldversicherung nach dem KVG ist eine Privatversicherung basierend auf dem VVG. Sie kann bei einer Krankenkasse oder Versicherungsgesellschaften abgeschlossen werden und zeichnet sich in erster Linie durch eine freie Gestaltung der Versicherungsbedingungen aus. Die Beiträge richten sich vorrangig nach dem Alter, Geschlecht und dem Gesundheitszustand. Das VVG lässt großen Spielraum für die Höhe der Prämien und die Leistungen, so dass auch hohe Tagessätze für den Krankheitsfall vereinbart werden können. Auf der anderen Seite können durch die Vertragsfreiheit Menschen mit einem hohen vermuteten individuellen Risiko abgelehnt werden. Leistungsausschlüsse sind bei Erkrankungen für einen unbestimmten Zeitraum möglich. Tritt ein solcher Fall ein, ist die Lohnauszahluung auf das gesetzliche Minimum reduziert. Bei einer Verletzung der Anzeigepflicht kann der Versicherungsvertrag einseitig durch das Unternehmen gekündigt werden. Neben dem Vertrag selbst sind bei Unklarheiten über Leistungen die allgemeinen Versicherungsbedingungen entscheidend. Insbesondere für Mütter und Hausfrauen ist es schwierig, Leistungen aus der Tagegeldversicherung nach dem VVG zu erhalten. Eine Arbeitsunfähigkeit infolge Mutterschaft muss oftmals zusätzlich versichert werden und Hausfrauen werden dadurch benachteiligt, dass sie in vielen Fällen einen Nachweis zur Erwerbsunfähigkeit vorlegen müssen.

Vorsicht vor Fallstricken bei der Tagegeldversicherung

Auch bei der Anerkennung der Leistungen gibt es große Unterschiede. Als Kunde ist es wichtig, die Einzelheiten zu kennen, damit der Schutz auch tatsächlich wie gewünscht gewährleistet ist. Zum einen variert der Grad der Beeinträchtigung stark, der vonnöten ist, damit der Kranke oder die Schwangere überhaupt Leistungen erhält. Während einige Versicherer wie die Helsana, Groupe Mutuel oder Visana ab einer Arbeitsunfähigkeit von 25 Prozent zahlen, bestehen andere Unternehmen auf eine 50-prozentige Einschränkung. Am freundlichsten für den Kunden ist die KPT, die den ausfallenden Verdienst bereits bei einer 1-prozentigen Arbeitsunfähigkeit ausgleicht. Der vereinbarte Lohnersatz wird jedoch bei einem solchen Grad der Arbeitsunfähigkeit nicht voll erstattet. Damit die Prämien in voller Höhe ausgezahlt werden, muss wiederum in einigen Fällen eine Arbeitsunfähigkeit von 67 Prozent, in anderen Fällen eine Beeinträchtigung von 100 Prozent nachgewiesen werden.

Summen- und Schadensversicherung

Wer nicht als Arbeitnehmer tätig ist und daher keine geregelten oder sogar keine Verdienste aufweisen kann, sollte sein Augenmerk unbedingt auf den feinen Unterschied zwischen Summen- und Schadensversicherung legen. Für Selbstständige sowie Hausfrauen- und Männer ist die Summenversicherung von Vorteil, da ein ärztliches Gutachten ausreicht, um die Arbeitsunfähigkeit zu belegen. Anders verhält es sich bei einer Schadensversicherung, bei welcher der Versicherer nur aufkommt, wenn tatsächlich ein Vermögensausfall entsteht. An Hausfrauen, die keinen Ertrag erwirtschaften, wird dementsprechend kein Tagegeld erstattet. Um nicht später jahrelang umsonst Prämien bezahlt zu haben, sollten Verbraucher daher vor dem Abschluss umfassend informieren.

Wie Experte Ruedi Ursenbacher, Geschäftsführer der unabhängigen Fairsicherungsberatung, berichtet, haben Selbstständige und Hausfrauen in der beliebten Tagegeldversicherung nach dem VVG insgesamt schlechtere Karten als Angestellte. Manche Unternehmen schließen sogar ganze Branche von der Tagegeldversicherung aus, da ihnen neben einem erhöhten Krankheitsrisiko auch eine Mentalität nachgesagt wird, sich überdurchschnittlich oft krankschreiben zu lassen, falls keine Arbeit auf dem Markt vorhanden ist. Dieses Problem betrifft beispielsweise selbstständige Raumpflegerinnen, die es schwer haben, überhaupt eine Tagegeldversicherung in der VVG abzuschließen. Auch ältere Bürger und Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen wird der Schutz häufig verwehrt. Wenn sich doch ein Unternehmen findet, muss der Kunde hohe Beiträge und einige Leistungsausschlüsse akzeptieren.

Aber auch Arbeitnehmer können in der Tagegeldversicherung mit Problemen konfrontiert werden.

So lauert eine weitere Falle bei dem Wechsel des Arbeitgebers. Nach den Bestimmungen des Obligationsrechts ist die Tagegeldversicherung erst zuständig, wenn die Anstellung bereits drei Monate besteht. Eine Ausnahme besteht nur bei befristeten Verträgen, die auf einen längeren Zeitraum als drei Monate ausgelegt sind. Nach dem Ablauf dieser Wartefrist beschränkt sich der Anspruch des Arbeitnehmers bis zum Ende des Jahres lediglich auf einen Lohnersatz über drei Wochen. Ein ähnlicher Nachteil ensteht für den Kunden nach dem Abschluss der Versicherung: So kann es bis zu drei Monate dauern, bis der Schutz in Kraft tritt.

Tagegeldversicherung für Selbstständige

Für Selbstständige gibt es zwei Möglichkeiten, die Tagegeldversicherung so optimal wie möglich zu gestalten. Wer bislang angestellt und kollektiv versichert war, kann einen Antrag stellen, dass die Tagegeldversicherung als einzelne Police weitergeführt wird. Um dieses Recht in Anspruch zu nehmen, muss der Versicherte jedoch binnen 30 Tagen handeln, nachdem die alte Arbeit niedergelegt wurde. Der große Vorteil ist, dass hierfür keinen erneuten Gesundheitscheck abgelegt werden muss. Wer sich als Selbstständiger eigenes Personal aufgebaut hat, kann wiederum eine kollektive Tagegeldversicherung für seinen Betrieb abschließen, in der er selbst auch versichert wird. Zu diesem Zweck ist allerdings normalerweise eine erneute Überprüfung der Gesundheit notwendig, der sich mit fortschreitendem Alter nachteilig auswirken kann.

Kosten für die Tagegeldversicherung senken

Bei einem Angestelltenverhältnis werden die Kosten auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte verteilt, während Selbstständige, Freiberufler und Hausfrauen in voller Höhe aufkommen müssen. Es gibt für alle Gruppen diverse Tipps, um die Kosten für die Tagegeldversicherung zu senken. Eine Kollektiversicherung ist immer günstiger als eine einzelne Police und daher grundsätzlich zunächst einmal vorzuziehen. Weiterhin ist es kein Geheimnis, dass mit einem Preisvergleich bei einem gleichwertigen Angebot bis zu 50 Prozent der Prämien eingespart werden können. Natürlich sind auch der aktuelle Gesundheitszustand sowie die gewählten Leistungen für die Kalkulation ausschlaggebend: Die Spanne der Beiträge reicht etwa von 18 Franken bis zu 180 Franken im Monat. Günstigster Anbieter im Test aus dem November 2014 der konsumentenorientierten Zeitschrift Saldo ist die Wincare mit 18 Franken, bei der jedoch nur ein durch das Unternehmen ausgewählter Mediziner die Arbeitsunfähigkeit bescheinigen kann.

Gute Tagegeldversicherung beteiligen die Kunden auch an Überschüssen oder zahlen Boni aus, wenn sich der Versicherte über einen längeren Zeitraum schadfrei hält. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist, dass die Prämie möglichst lange konstant bleibt – eine entsprechende Garantie sollte in dem Vertrag vorhanden sein. Sie sollte auch dann noch gelten, nachdem Leistungen aus der Tagegeldversicherung beansprucht wurden.

Einen enormen Einfluss auf die Prämie hat die Wartezeit bis zur Auszahlung des Tagegelds. Wer es sich durch ein kleines Geldpolster erlauben kann, den Lohn nicht bereits ab dem dritten Tag erstattet zu bekommen, profitiert von erheblich reduzierten Beiträgen. Wenn genügend finanzieller Spielraum vorhanden ist, kann auch etwa eine Auszahlung erst ab dem zweiten Monat der Arbeitsunfähigkeit vereinbart werden. Für kurzfristige Ausfälle ist ein solcher Schutz natürlich ungeeignet, während langfristige Beeinträchtigungen kostengünstig aufgefangen werden. Darüber hinaus kann das Tagegeld auch gestaffelt werden, also beispielsweise für die erste Zeit in Höhe von 100 Franken ausbezahlt werden, um anschließend nach zwei Monaten auf 200 Franken erhöht zu werden.

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